Bei 96 Euro Rente ist Krebsschmerztherapie unbezahlbar

Bundesverfassungsgericht verpflichtet Krankenkasse zu Sachleistung

Die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) muss die Kosten einer Hyperthermietherapie gegen Krebsschmerzen übernehmen, obwohl diese Behandlung nicht im Katalog der Kassenleistungen enthalten ist. Das hat das Bundesverfassungsgericht entschieden (1 BvR 2496/07). Dies gilt, wenn der Patient lebensbedrohlich erkrankt ist und die konventionellen Therapieformen nicht hinreichend sind.

Lebensbedrohlich erkrankten Patienten, die in Armut leben, muss die Krankenkasse katalogfremde Behandlungen außerdem als Sachleistung bieten; es reicht nicht aus, nach der Behandlung die Kosten zu erstatten.

Im konkreten Fall sei es der 72-Jährigen bei einer monatlichen Rente von 96 Euro nicht zuzumuten, bei 1.300 Euro monatlichen Therapiekosten in Vorleistung zu treten, so die Richter. Die Krankenkasse hatte unter anderem argumentiert, dass der Arzt die Patientin vermutlich auch ohne umgehende Bezahlung behandelt hätte.

Bei der Hyperthermiebehandlung wird der Körper gezielt überhitzt. Der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) hat diese Methode bislang nicht in die Liste der Leistungen der GKV aufgenommen. Bereits 2005 hatte das Bundesverfassungsgericht entschieden, dass bei lebensbedrohlichen Erkrankungen, für die keine schulmedizinische Behandlungsmethode vorliegt, ein Anspruch auf Kostenerstattung von bestimmten Therapieformen besteht (1 BvR 347/98). Bei diesen müssen aber konkrete Hinweise vorhanden sein, dass sie „spürbar positiv“ auf den Krankheitsverlauf einwirken können.

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