Spenderorgane: Keine Vergabe nach Erfolgsaussicht

Plädoyer für Reform des Transplantationsrechts auf 14. Deutschem Medizinrechtstag

Die Erfolgsaussicht solle kein Kriterium mehr für die Vergabe von Spenderorganen an Patienten sein. Das forderte Dr. Mathis Bader, Richter am Amtsgericht Schwäbisch Hall, auf dem 14. Deutschen Medizinrechtstag. Bader sprach sich in seinem Vortrag für eine umfassende Reform des Transplantationsrechts aus.

„Wenn ein Patient, der vermutlich mit einem gespendeten Organ fünf Jahre lebt, einem anderen gegenüber bevorzugt wird, der wahrscheinlich nur drei Jahre mit ihm lebt, ist das ein verfassungswidriges Vorgehen“, erklärte Bader. „Nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts zum Grundrecht auf Leben ist jedes menschliche Leben als gleich wertvoll zu erachten und darf nicht gegen ein anderes abgewogen werden.“

Die Kriterien der Organverteilung sollten zudem gesetzlich geregelt werden, anstatt lediglich in den Richtlinien der Bundesärztekammer definiert zu sein, forderte Bader weiter. Insgesamt solle das System der Organvergabe einer stärkeren staatlichen Kontrolle unterliegen.

„Gerade angesichts der Transplantations-Skandale der letzten Zeit ist die grundlegende Reform des Transplantationsrechts unerlässlich“, so Bader. „Die Skandale haben die Organspendebereitschaft um 17,8 Prozent sinken lassen – fatal für die vielen Patienten auf den Wartelisten. Das Vertrauen der Menschen in eine gerechte Organvergabe muss unbedingt zurückgewonnen werden.“

Der 14. Deutsche Medizinrechtstag fand am 6. und 7. September 2013 in Berlin statt. Den Kongress moderierte Karl-Dieter Möller, ehemaliger Leiter der ARD-Rechtsredaktion.

Fotos vom 14. Deutschen Medizinrechtstag

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Lübeck, 10. September 2013

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